Kalkstein Bodenplatten – die aus dem Meer kommen

Das Freiburger Augustiner-Museum ist einem gründlichen und gut gelungenen Umbau unterzogen worden. Im Untergeschoss ist ein Raum entstanden, der für wechselnde Ausstellungen genutzt und mit spanischem Kalkstein ausgelegt wurde.
Kann man Kalkstein für Bodenplatten verwenden? Salopp geantwortet: na klar. Kalkstein ist allerdings nicht gleich Kalkstein - es gibt unzählige Quellen und auch ein wenig Durcheinander bei den Namensgebungen. Der Name Kalkstein wird nämlich in zwei Bedeutungen verwendet: Zunächst als Oberbegriff für Natursteine, die Calciumcarbonat (und auch noch ein paar andere Stoffe) enthalten; dann aber auch im engeren Sinn für bestimmte Natursteine, die meist aus biogenen Quellen entstanden sind - also verfestigte Skelettreste einstiger Meerestiere. Zur ersten Gruppe gehören auch Travertine und Marmore, zur zweiten Solnhofener, Dietfurter und Kota-Kalkstein. Kalkstein ist aber beileibe nicht nur für Bodenplatten geeignet, sondern dient auch als ein Ausgangsstoff für die Zementherstellung - 1864 erstmals in Deutschland als Portlandzement produziert, wie das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) in Freiburg weiß. Dort ist auch zu lesen, dass Kalkstein für den Verkehrswegebau, Baustoffe (Mörtel, Estriche, Putze), im Garten- und Landschaftsbau, für Zahnpasta, Papier, Farben, die Glaserzeugung und in der chemischen Industrie eingesetzt wird (das sind nur einige Zwecke). Unterschieden wird laut LGRB Hochreiner Kalkstein - er enthält über 98,5 Prozent Calciumcarbonat.
Wer sich Kalkstein als Bodenplatte anschafft, kann auch ein wenig Zugspitze-Gefühl haben. Der Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler (BDG) weist darauf hin, dass der höchste deutsche Berg aus diesem Material bestehe. ,,Der zur Wellensteinformation der mittleren Trias gehörende Riffkalk vereinigt imposante Morphologie in der Gipfelregion mit eindrucksvollen Karsterscheinungen in der Höllentalklamm und enthält außerdem interessante Sulfidverzerrungen, die bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts abgebaut wurden", heißt es in einer Presseinformation, die darauf hinweist, dass Kalkstein Gestein des Jahres 2010 sei. Damit soll der immensen Bedeutung dieses Natursteins Rechnung getragen werden.
Das ist eine Menge Anspruch für eine Bodenplatte. Gibt es denn eine entscheidende Gemeinsamkeit aller Kalksteine? Wer noch ein wenig Erinnerung an seinen Chemieunterricht in der Schule hat, kann vielleicht nachvollziehen, dass Kalksteine empfindlich auf Säure reagieren. Man sollte also auf säurehaltige Reinigungsmittel verzichten und auch mit anderen Flüssigkeiten dieser Art vorsichtig umgehen. Übertrieben vorsichtig muss man aber nicht sein, das Gefühl der Sorgfalt dürfte für den alltäglichen Umgang genügen.
Welche Beispiele für Bodenplatten aus Kalkstein gibt es und für welche Zwecke eignen sie sich?
Aus der wirklichen Überfülle von Materialien seien drei Beispiele herausgegriffen:
- Travertin: Der seinen Namen dem Ort Tivoli verdankende Naturstein gehört zu den Kalksteinen. Er entsteht als so genanntes Ausfällgestein in Gewässern und nicht aus Skelettresten einstiger Meerestiere. Zum Wesen dieses Natursteins gehören seine Poren, für die es unterschiedliche Erklärungen gibt. Innerhalb von Gebäuden werden die Bodenplatten beim Verlegen häufig zugespachtelt, im Freien ist das nicht möglich. Am beliebtesten sind beige Farbtöne.
- Marmor: Wichtigster Unterschied zu anderen Kalksteinen ist die kristalline Struktur dieses Kalksteins. Ein Vorteil der Bodenplatten ist, dass sie von Fachleuten nach einer gewissen Abnutzung wieder aufgearbeitet werden können. Antikmarmor ist übrigens kein Marmor im strengen Sinn, sondern ein speziell behandelter Travertin.
- Solnhofner Kalkstein: Wer im Bundesland Bayern das Gymnasium besucht, kommt im Lauf seines Schullebens nicht darum herum, sich mit dem Altmühltal zu befassen. Von dort kommt der Solnhofner Kalkstein, der sich auf jeden Fall für Bodenplatten innerhalb von Gebäuden eignet.
Kalksteine kommen aus vielen Ländern der Erde. Sie werden (bzw. wurden) neben Bayern auch vielfach in Baden-Württemberg abgebaut. Bodenplatten aus Kalkstein sind aus Italien, der Türkei, dem Iran, Indien und vielen weiteren Ländern erhältlich - übrigens in sehr vielfältigen Farben.
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