Gehwegplatten aus Naturstein: Härte tut beim Laufen gut

Travertin passt: Christian Jostmann, Journalist und Buchautor aus München, hat sich zu Fuß auf den Weg in die Stadt gemacht, in der Travertin häufig zu finden ist.
Der Münchner Journalist Christian Jostmann hat sich einen Traum erfüllt. Zu Fuß ist er von der bayerischen Landeshauptstadt nach Rom aufgebrochen - je nach Weg rund 1.500 Kilometer. Wenn einer was von Gehwegplatten und Naturstein versteht, dann er. ,,Auf Naturstein bin ich natürlich viel gegangen, in den Alpen zumal, auf Kalk, Gneisen, Schiefer, Granit, auf Fels und Geröll". Aber auch Pflaster, sowohl Basalt als auch Granit, seien vorgekommen, dazu Schotterstraßen. ,,Gehwegplatten aus Naturstein", fügt Jostmann hinzu, ,,sind mir jedoch nicht untergekommen, zumindest nicht auf längeren Straßen außerhalb", so der Journalist.
Nach seinen Erfahrungen spielen die Härte des Grunds und seine Variabilität eine Rolle. Weiche, federnde Gründe mit viel Anteil organischem Materials seien angenehmer zu begehen, hätten aber auch den Nachteil, dass sie bei Nässe rutschig und klebrig werden, dies könne insbesondere in den Bergen gefährlich werden. ,,Harte Böden sind ermüdender, aber gleichsam ,,ehrlicher"", meint der Münchner.
Mit Variabilität meint Jostmann eine gesunde Abwechslung. Und da scheinen Gehwegplatten aus Naturstein gut wegzukommen. Er ziehe Untergründe vor, ,,die den Füssen eine durch die Schuhsohle (denn wir gehen auf längeren Strecken zumeist nicht barfuss) spürbare Struktur und damit Abwechslung in der Belastung bieten", sagt Jostmann. Er nennt einen felsigen Steig oder eine Schotterstraße. Einförmig findet Jostmann Asphalt oder Gehwegplatten aus Beton. ,,Asphalttreterei ist so ziemlich das Unangenehmste, was man seinen Füßen auf Dauer zumuten kann", so Jostmann. Geröll dagegen könne ermüdend sein: ,,Dann finden die Füße allein nicht mehr ihren Platz und brauchen die Aufmerksamkeit der Augen, was auf Dauer anstrengend ist".
Er könne sich vorstellen, dass Gehwegplatten aus Naturstein durch ihre strukturierte Oberfläche angenehmer als andere Gründe aus Stein zu begehen seien, kann es aber nicht aus der eigenen ,,Weitwanderpraxis" durch Erfahrungen belegen. Ganz anders spüre man die Unterschiede barfuss: ,,Die nackten Fußsohlen sind extrem feinsinnig und sensibel". Da mache es schon einen Unterschied, ob man auf glasierten Fliesen oder Feinsteinzeug, auf geöltem oder lackiertem Parkett, auf englischem oder Trockenrassen, auf Splitt oder Geröll unterwegs sei.
Jostmanns Schilderung lassen sich in der Wirklichkeit leicht bestätigen. Wer durch eine bundesdeutsche Großstadt wie Hamburg zu Fuß unterwegs ist, findet Gehwegplatten aus Naturstein höchst selten. Allenfalls, so wenigstens die knappe Beobachtung aus zwei Tagen Selbstversuch, kommt Naturstein als Schmuckelement vor: Wenn etwa größere Flächen, die meist mit Betonplatten ausgekleidet sind, durch Natursteinpflaster aufgelockert werden. Asphalt ist relativ selten, je weiter man in der Stadt unterwegs ist, manche Wege und Landungsbrücken am Hafen sind - vermutlich aus Praxisgründen - damit gearbeitet. Innerstädtische Fußgängerzonen und Wege stützen sich auf Gehwegplatten, die aus unterschiedlichen Beton-Mischungen entstanden sind. Und Jostmann hat ganz recht: Ein Tag auf Hamburger Betonsteinpflaster macht müde.
Manche werden sich auch noch daran erinnern, dass bis vor 20 Jahren in vielen ostdeutschen Städten Gehwegplatten aus Naturstein, genauer aus Granit, verlegt waren - hatte man sie schlecht verlegt, konnte es böse Stolperfallen geben. Aber im Prinzip schienen sie haltbar zu sein.
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