Travertin: gefüllt und ungefüllt zu haben

Travertin, manchmal auch Antikmarmor genannt, ist ein sehr warmer Stein. Das hat einerseits mit seinen typischen Hohlräumen, andererseits mit den meist braunen Farbtönen zu tun. Da Travertin relativ leicht ist (Dichte: 2,0 - 2,5 g/cm3) eignet er sich hervorragend als Baumaterial. Schon viele antike Bauwerke wurden mit Travertin errichtet. Ein bekanntes Beispiel ist die Außenmauer des Kolosseums in Rom. Heute wird Travertin vor allem als Dekor- und Werkstein genutzt. Im Inneren wird er für Boden- und Wandbeläge eingesetzt. Manchmal werden sogar komplette Badezimmer aus Travertin gestaltet. Außerhalb von Gebäuden kann Travertin als Boden überzeugen - aber auch Gartenbänke, Brunnen, sogar Statuen werden aus dem Naturstein gearbeitet. Edel wirkt er immer.

Heisses Wasser, das aus der Tiefe kommt, formt den Travertin

Heisses Wasser, das aus der Tiefe kommt, formt den Travertin

Absolut charakteristisch sind die Hohlräume. Sie können in ganz unterschiedlichen Größen auftreten. Das macht den Stein nicht weniger schön - im Gegenteil. Die Hohlräume führen schließlich auch zum günstigen Gewicht und geringer Dichte und begünstigen die Fähigkeit des Natursteins, Wärme zu speichern. Travertin ist also für die Verlegung auf Fußbodenheizungen optimal geeignet. Zu viele und zu große Aussparungen sollte es aber nicht geben - sonst leidet die Stabilität und der Travertin bricht.

Travertin-Fliesen

Travertin-Fliesen

Im Freien verlegter Travertin wird meistens ohne die Hohlräume zu verfüllen verlegt. Material, das in Gebäuden verarbeitet wird, ist dagegen mit Spachtelmasse verfüllt. Das erleichtert die Pflege und ermöglicht die Verwendung in Bädern und Küchen. Es gibt auch einige Travertine, deren ursprüngliche Hohlräume auf natürliche Weise geschlossen sind. Diese Steine müssen nicht extra behandelt werden. Gespachtelter Travertin ist nicht hundertprozentig frostbeständig, weil der eigentliche Stein und seine Füllmasse unterschiedlich auf kalte Temperaturen reagieren können - die Füllung kann herausplatzen. Naturbelassener Travertin zeigt dieses Verhalten nicht.

Travertin ist ein relativ hartes Gestein  und zeichnet sich durch eine sehr gute Widerstandsfähigkeit gegen Verschmutzungen und Kratzer aus. Dennoch ist Travertin wie auch Kalkstein empfindlich gegenüber sauren Substanzen. Bei der Pflege muss darauf geachtet werden, nur neutrale Reinigungsmittel zu benutzen. Grundsätzlich gilt, dass Verschmutzungen auf poliertem Material schneller zu erkennen sind und Alterungserscheinungen auch bei Travertinen auftreten können.

Travertin-Fliese: Vanilla Rustica

Travertin-Fliese: Vanilla Rustica

Hauptbestandteil ist weißer Calcit (Calciumcarbonat). Oft sind Beimengungen von Limonit (Brauneisenerz) enthalten. Je nach Limonit-Anteil variiert die Farbe des Travertin von hellem gelb bis braun. Das Brauneisenerz ist meistens nicht einheitlich im Gestein verteilt, so dass verschiedenfarbige Bänder entstehen. Im Anschnitt wird dann die schöne Textur sichtbar. Um sie besser zur Geltung zu bringen, empfiehlt sich das Polieren der Oberfläche. So bekommt der Travertin einen seidigen Glanz. Polierte Travertine sind aber nur für die Verlegung in Räumen geeignet. Aber auch ohne Politur ist der Travertin ein sehr ansprechender Naturstein. Zu beachten ist, dass Travertin nicht spiegelt, da das Licht an seiner Oberfläche gestreut wird.

Die Verarbeitung des Materials ist recht einfach. Es lässt sich sehr gut brechen und sägen, durch Schleifen und Polieren können auch detaillierte Formen ausgebildet werden. Insbesondere die geschlossenen, porenlosen Travertine eignen sich zur Herstellung von größeren Objekten, wie Waschbecken oder Tischplatten, da diese Steine massiver sind.

Fußbodenplatten und Fliesen werden so bearbeitet:

  • Geschliffen und gefüllt: Hohlräume sind mit Mörtel oder Kunstharz gefüllt, die Platten sind angeschliffen.
  • Getrommelt und ungefüllt: Unbearbeitete Platten werden mit Gesteinsbruchstücken in große, sich drehende Trommeln gelegt. Das raut die Oberfläche auf und ergibt angeschlagene Kanten. Getrommelte Platten gehören zu den meistverkauften Natursteinen überhaupt.
  • Gemeißelt und gebürstet: Die Kanten werden maschinell abgeschlagen. Anschließend werden die Platten mit Bürsten aufgeraut.

Die beiden letzten Arten werden auch Antikmarmor genannt. Die Platten werden mit einem alten, ,,gebrauchten" Aussehen versehen. Möglich sind auch Kombinationen aus allen drei Arten der Verarbeitung. Weniger üblich ist es, die Kanten nach dem Sägen unbearbeitet und scharfkantig zu lassen. Alternativ gibt es die Möglichkeit, alle Kanten und Ecken komplett rund zu schleifen. Es ist auch sehr wichtig zu wissen, wie der Travertin geschnitten wird. Zwei Arten werden unterschieden:

  • Cross cut: Travertin wird quer zur Bänderung geschnitten - entfernt vergleichbar mit sichtbaren Jahresringen eines quer gesägten Baums.
  • Vein cut: Der Naturstein wird entlang der Bänderung geschnitten. Das entstehende Bild erinnert an gesägte Bretter.
Travertin-Platten im Römischen Verband

Travertin-Platten im Römischen Verband

Travertin ist kein sehr häufig auftretendes Gestein, aber weltweit verbreitet. Man kann Travertine aus Deutschland (Thüringen, Westfalen, Württemberg), Italien, Spanien, aus der Türkei, China und den USA beziehen. Insbesondere die Türkei verfügt über große Vorkommen sehr unterschiedlicher Sorten dieses Materials.
Populäre Fundstellen sind Bad Langensalza, Ehringsdorf (Thüringen) und Bad Cannstadt (Deutschland). Aus Italien kennt man Travertino Romano, Travertino Classico und Travertino Ascolano. Verbreitet ist auch Rosso Täbris aus dem Iran (er verdankt seinen Namen der iranischen Stadt Tabr?z) und Ömerköy (Türkei).
Die bekanntesten Produktnamen sind Classic, Ivory, Noce und Walnut. Classic ist braun bis leicht rötlich, Ivory beige oder hellbraun. Noce und Walnut sind hingegen sehr dunkle Sorten mit dunkelbraunen Farben.

Bauen mit Travertin hat eine sehr lange Tradition. In der Türkei wurde in jüngerer Zeit Travertin beim Bau des weltberühmten Anitkabir (Grabmal) des türkischen Staatsgründers Atatürk verwendet. Wurden die weißen Travertine für die Statuengruppen und Löwenstatuen, aus der damaligen Gemeinde Pinarbasi geholt, stammten die weißen Travertine in den Innenseiten des Turmes aus Polatli und Maliköy. Die roten und schwarzen Travertine aus Bogazköprü wurden für das Zeremoniegelände und für die Bodenplatten der Türme verwendet, die gelben Travertine stammten aus Eskipazar.

Travertin-Platten im Römischen Verband

Das Wort Travertin hat mit der italienischen Stadt Tivoli zu tun. Im Lateinischen nannte man den Travertin ,,lapis tiburtinus", was ,,Stein aus Tibur" bedeutet.

Will man die Entstehung des Travertins nachvollziehen, muss man sich etwas in chemische und physikalische Zusammenhänge hineindenken. Das Gestein entsteht durch die Ausfällung von Stoffen, die ursprünglich in Wasser gelöst waren. Es können Knochen und Pflanzenreste im Travertin eingeschlossen sein, was das Gestein zum Archiv alter Lebewesen machen kann. So sind die Weimarer Travertine als Folge bedeutender Funde von Pflanzen sowie Resten des eiszeitlichen Menschen zu einer weltberühmten Pilgerstätte geworden.

Betrachten wir die Vorgänge noch etwas genauer: Travertine sind sekundäre Kalkgesteine. Sie entstehen nur in Regionen mit natürlichem Kalksteinvorkommen und dort in der Nähe von kalten oder warmen Süßwasserquellen, die große Gehalte an Calcium- und Hydrogenkarbonat-Ionen führen. Damit die Quellgewässer mit diesen Ionen angereichert werden, ist eine Reihe von Prozessen notwendig. Niederschlagwasser nimmt beim Versickern aus der Luft und dem Boden Kohlendioxid auf und bildet Kohlensäure. Dadurch wird das Wasser leicht sauer und kann Kalk gut lösen. Es kommt zur Übersättigung des Wassers an gelöstem Kalk, das Wasser enthält zu viele Calcium- und Hydrogenkarbonat-Ionen. Um aus den Ionen Travertin zu bilden, sind bestimmte physikochemische Bedingungen nötig. Wenn das Wasser der  Quelle an die Oberfläche kommt, ändern sich Druck und Temperatur, die für das Entweichen von Kohlenstoffdioxid (CO2) aus dem Wasser wichtig sind. Durch das Entweichen von Kohlenstoffdioxid wird das Löslichkeitsprodukt für Calciumkarbonat im Wasser überschritten, es kommt zur Ausfällung von Travertin. Der Vorgang erfolgt abiotisch, also ohne Beteiligung von Lebewesen, kann aber durch die Photosyntheseaktivität von Algen und Moosen begünstigt werden. Neue Travertin-Bildungen erfolgen in Regionen mit vulkanischer Tätigkeit und postvulkanischen CO2-Entgasungen, insbesondere dort, wo Wasser mit hohen Temperaturen in der Natur vorkommt.


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