Schiefer
Schiefer ist ein universell einsetzbarer Naturstein. Im Innenbereich ist er ohne Einschränkung nutzbar, im Außenbereich muss darauf geachtet werden, dass die jeweilige Schieferart frostbeständig ist.
Allgemein bekannt ist die Nutzung von Schiefer als Dach- und Wandschindel. Bis ins letzte Jahrhundert wurden viele Dächer und auch Hauswände mit Schindeln gedeckt, insbesondere in Regionen mit Schieferabbau. Seid einigen Jahrzehnten hat die Bedeutung von Schiefer als Material zum Dachdecken und für Außenverkleidungen von Häusern stark abgenommen. Regional erlebt der Baustoff jedoch wieder eine Renaissance, da der Einsatz von Natursteinen immer populärer wird. Neben diesen altbekannten Verwendungen findet Schiefer auch für Böden und Treppen im Innen- und Außenbereich Anwendung. Ein sehr markantes Aussehen bieten Natursteinmauern (Link Blog) aus aufgeschichteten Schieferplatten. Zur individuellen Einrichtung im Gebäudeinneren eignet sich Schiefer für Fliesen, für Tisch- und Arbeitsplatten und im Bereich von Kaminen, Küchen und sanitären Anlagen.
Schiefer zeichnet sich vor allem durch seine chemische Beständigkeit aus, d.h. er wird nicht beschädigt durch Witterung und haushaltsübliche Reinigungsmittel und ist deshalb sehr langlebig. Schiefer ist zudem unempfindlich für sehr heiße und sehr kalte Temperaturen und ist auch nicht brennbar. Im Gegensatz zu anderen Natursteinen ist Schiefer deutlich weicher, so dass es unter Umständen zur Bildung von Kratzern kommen kann. In der Regel verschwinden diese Kratzer schnell wieder durch die normale Benutzung der Flächen. Bei größeren Kratzern können Steinpflegemittel zu Hilfe genommen werden, um die Kratzer auszubessern.
Beim Kauf von Schiefer muss die Qualität des Produktes beachtet werden. Ein wichtiger Punkt ist die Frostbeständigkeit von Schiefer. Nicht jeder Schiefer ist für den Außenbereich geeignet. Je nach Vorkommen und Schiefertyp kann Schiefer unterschiedlich viel Wasser aufnehmen. Überschreitet die Wasseraufnahme einen bestimmten Wert, gilt der Schiefer nicht mehr als frostbeständig. Leider unterscheidet sich dieser Wert von Land zu Land. Auch sind die Prüfvorschriften nicht einheitlich. Um Sicherheit zu bekommen, ob der gewünschte Schiefer frostbeständig ist, muss individuell beim Händler nachgefragt werden. Warum kann Schiefer durch Frost beschädigt werden? Wasser wird im Porenraum zwischen den einzelnen Schieferungsschichten gespeichert. Je höher die Wasseraufnahme ist, desto höher ist das Risiko, dass der Schiefer durch Frost Schaden nimmt. Der Frost drückt dabei einzelne Schichten auseinander und lässt sie abplatzen.
Im Schiefer sind unterschiedliche Anteile von Eisensulfiden, Karbonaten und organischem Kohlenstoff enthalten. Diese Bestandteile können bei hohen Gehalten zu Verfärbungen und im Extremfall sogar zur Zerstörung von Schieferplatten führen. Organischer Kohlenstoff kann dazu führen, dass sich die Oberfläche des Schiefers schwach ölig anfühlt. Hohe Karbonatgehalte machen Schiefer anfällig für sauren Regen. Durch das Herauslösen der Karbonate aus dem Schiefer kann die Festigkeit des Gesteins leiden, der Schiefer kann zerbröckeln. Ist sehr viel Eisensulfid im Gestein, kann Schiefer rosten. Bildet sich der Rost auf der Oberfläche entstehen unschöne Verfärbungen; bildet sich zudem Rost auf der Schieferung, können einzelne Lagen abplatzen und somit den Stein zerstören. Während neu entstandener Rost unschön und teilweise zerstörerisch ist, sind von Natur aus rostfarbene Schiefer sehr schön anzuschauen und beeinträchtigen die Qualität des Schiefers nicht.
Schiefer ist bedingt durch seine feinkörnige Struktur oft dunkel (durch hohe Lichtabsorption). Am häufigsten tritt Anthrazitfarbener Schiefer auf. Seine Farbe erhält dieser Schiefer durch geringe Mengen an organischem Kohlenstoff und Bitumen, die im Gestein enthalten sind. Sind andere Beimengungen im Schiefer enthalten, entstehen grüne und rote bis purpurne Farben. Die grüne Farbe wird durch das Schichtsilikat Chlorit erzeugt, welches immer in Schiefer vorkommt. Ist der Anteil an Chlorit höher, verstärkt sich die grüne Farbe. Rote Farben entstehen durch die Minerale Hämatit (Eisenoxid) und Limonit (Eisenhydroxid). Je nach Hämatit- und Limonitgehalt wird das Rot ausgeprägter oder ist nur dezent als Rotbraun erkennbar. Ein Nebeneffekt vom Hämatit ist die höhere Härte des roten Schiefers.
Die Farbe von Schiefer ist meistens einheitlich. Durch die unterschiedlichen Beimengungen können aber auch sehr interessante Musterungen entstehen. Diese Musterungen sind insbesondere bei brasilianischen Schiefersorten zu beobachten. Wichtig zu wissen ist, dass sich die Farben von Schiefer verändern können, wenn sie der Witterung ausgesetzt werden. Als Beispiel sei hier der ,,weiße Schiefer" erwähnt. Diese sehr helle Färbung hat sich erst im Laufe der Nutzzeit durch fortschreitende Patinierung und Alterung entwickelt. Bricht man den Schiefer, ist seine ursprüngliche hellgrüne Färbung erkennbar. In diesem Beispiel hat sich die Farbe des Schiefers als Ganzes verändert. Bei anderen Schiefersorten entstehen Farbveränderungen nur im kleinen Maßstab, dort wo im Gestein geringe Bestandteile von Sulfid und Karbonat enthalten sind. Diese Beimengungen können sich durch die Witterung verändern. Dies ist ein natürlicher Vorgang, der vor dem Kauf berücksichtig werden sollte. Haben sie rechtliche Fragen zu diesem Thema, möchten wir sie auf das Urteil vom Landgericht Coburg verweisen, welches im Dezember 2004 über den Fall einer Verfärbung von Schieferplatten im Außenbereich entschieden hat (Az: 11 O 560/04).
Ein großer Vorteil von Schiefer ist seine einfache Verarbeitbarkeit. Entlang seiner Schieferung ist Schiefer sehr gut spaltbar. Es lassen sich Platten in beliebiger Stärke erzeugen. Begrenzt werden die Plattenstärken nur durch geologische Gegebenheiten in den Lagerstätten. Oftmals wechseln sich dort feste Schieferschichten mit weicheren Lagen ab. Diese weichen Lagen sind nicht für die Natursteinherstellung geeignet und müssen im Steinbruch aussortiert werden. Um die Natursteine in gewünschte Längen und Breiten zu bringen, muss der Schiefer jedoch gesägt werden. Versucht man den Schiefer quer zur Schieferung zu bearbeiten, bricht er in scharfe Ecken und Kanten ab.
Schiefer ist ein überall auf der Welt vorkommendes Gestein. Als traditionelle europäische Schiefergebiete können u.a. Thüringen, das Rheinische Schiefergebirge, Westfalen sowie das Bergische Land betrachtet werden. Außerhalb Deutschlands sind Portugal und Skandinavien zu nennen. Daneben gehören auch Brasilien, Indien, China und Australien zu den wichtigen Schieferproduzenten. Die weltweit größte Schieferregion mit zahlreichen Abbaustellen befindet sich im Nordwesten Spaniens.
Bekannte Schiefernamen sind Porto, Jak, Peacock, Jade und Mustang. Porto-Schiefer kommt aus dem Norden von Portugal. Er hat eine anthrazit bis schwarze Färbung und ist spaltrauh. Seine Eigenschaften ermöglichen die Verwendung im Innen- und Außenbereich.
Jak-Schiefer wird in Indien gewonnen. Er weißt auch eine schwarze Farbe auf. Je nach Vorkommen ist der Schiefer nur für den Innenbereich geeignet, oder auch nur für den Außenbereich.
Ein weiterer bekannter indischer Schiefer ist der Peacok-Schiefer. Peacok-Schiefer hat eine breite farbliche Palette, von verschiedenen Rottönen bis hin zu Grün. Er spaltet rauh und ist nur für den Innenbereich geeignet.
Zwei Vertreter der brasilianischen Schiefer sind der grüne Jade-Schiefer und der Mustang-Schiefer. Der Mustang-Schiefer tritt in den Farben Blaugrau, Silber und Schwarz auf. Beide Typen haben raue Spaltflächen und sind nur für den Innenbereich verwendbar.
Ein Skandinavischer Vertreter ist der Oppdal-Schiefer. Er hat eine graue Farbe und weißt verschieden starke grüne Farbstiche auf. Er ist sowohl für den Innen- als auch für Außenbereich geeignet.
Schiefer ist nicht gleich Schiefer. Der umgangssprachliche Begriff Schiefer umfasst alle sehr gut spaltbaren und sehr feinlagigen Gesteine. Unter diesen Überbegriff fallen Schieferton, Tonschiefer, Glimmerschiefer und Ölschiefer. Die Entstehungen dieser Schiefer sind sehr unterschiedlich, sie unterscheiden sich auch deutlich in Aussehen und Verwendung.
Schieferton entstehen durch die Ablagerung von sehr feinem Gesteinsabrieb, meist am Meeresboden (Ablagerungsgestein). Die Hauptbestandteile sind verschiedene Tonminerale und geringe Mengen von Feldspat, Quarz und Glimmer. Durch jahreszeitliche Schwankungen entstehen sehr feine Schichtungen bei der Ablagerung. Diese werden als Schieferung wahrgenommen sind aber keine Schieferung im eigentlichen Sinne. Im Laufe von Jahrmillionen werden die Gesteinschichten immer mächtiger und durch ihr Eigengewicht komprimiert. Schiefertone sind überwiegend nicht frostbeständig.
Verfrachtet man Schieferton oder Tonstein ins Erdinnere und überdeckt die Gesteine mit mächtigen Gesteinspaketen, kann daraus Tonschiefer entstehen. Tonschiefer ist ein Umwandlungsgestein, ein metamorphes Gestein, d.h. das Gestein wird über geologische Zeiträume hinweg einem hohen Druck und hohen Temperaturen ausgesetzt und ändert dabei seine Mineralogie und sein Gefüge. Es kommt zur Ausbildung von neuen Mineralen (vorwiegend Schichtsilikate). Diese orientieren sich am anliegenden Druck und wachsen alle parallel zueinander. Diese Parallelorientierung ist als Schieferung erkennbar und bewirkt die sehr gute Spaltbarkeit des Schiefers. Tonschiefer werden deutlich stärker verdichtet als Schiefertone und haben eine sehr geringe Wasseraufnahmefähigkeit. Tonschiefer sind überwiegend frostbeständig.
Anhand der im Gestein neu entstandenen Minerale kann auf die äußeren Bedingungen (Temperatur, Druck) geschlossen werden, bei der sich der Schiefer gebildet hat. Wenn der Druck und die Temperaturen höher waren, als für die Entstehung von Tonschiefer notwendig ist, kommt es zur Bildung von Glimmerschiefer. Glimmerschiefer sind stärker metamorphisierte Gesteine, d.h. es entstehen andere Minerale als beim Tonschiefer. Wie der Name schon besagt, überwiegen bei diesem Gestein neu gebildete Glimmer. Zudem bilden sich Quarz, Granat und andere Minerale, die als größere Körner zwischen den silbrig glänzenden Glimmerlagen wachsen und das Erscheinungsbild deutlich verändern. Glimmerschiefer findet im Allgemeinen keine Anwendung in der Natursteinindustrie.
Als letzter Schiefertyp wird hier der Ölschiefer aufgelistet. Ölschiefer gehören zu den Ablagerungsgesteinen (Sedimenten). Bei der Entstehung von Ölschiefern wurden große Mengen an organischem Material (Bitumen) im Sediment mit eingelagert. Charakteristisch sind Gehalte von 10-30%. Das organische Material bildet sich im Gestein unter Ausschluss von Sauerstoff zu ölartigen Substanzen um. Ölschiefer werden daher gerne zur Gewinnung von Erdöl genutzt. Schiefertone und Tonschiefer können auch geringe Mengen an Bitumen enthalten. Dies kann man an den teilweise öligen Oberflächen erkennen. Sie sind der Qualität aber nicht abträglich.
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