Roter Sandstein: Eisen gibt die Farbe
Der Leopoldring in Freiburg wirkt auf den ersten Blick wie eine normale, vom Verkehr überschwemmte Innenstadtstraße. Die Hausnummer 9 sticht heraus: Ziemlich prachtvoll erhebt sich ein Geschäftshaus, das wohl gut 100 Jahre hinter sich hat. Bundes- und Landesbank unterhalten eine Filiale, die Fassade besticht: roter Sandstein, hier und dort vergoldet. Auch die Hörsaalgebäude der Freiburger Universität, nur wenige Straßen entfernt, prägt der rote Sandstein. Das Material wirkt beständig und sorgfältig verarbeitet. Auch Kirchen der Gegend - etwa das Freiburger oder Basler Münster - sind aus rotem Sandstein errichtet.
Angela Ehling von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe bestätigt die Vermutung, dass die rote Farbe auf ein bestimmtes Mineral zurückgeht. Roter Sandstein, erklärt sie auf Anfrage, verdankt seine Farbe dem Mineral Hämatit (von hämatikos = griech. blutig) - Eisen-3-oxid ist die entsprechende, chemische Formel. Für Hämatit sind eine Reihe weiterer Synonyme gebräuchlich: Roteisenstein, Blutstein, Eisenglanz, Rötel. Laut mineralienwissen.de wird Hämatit sogar heilende Wirkung zugeschrieben.
Roter Sandstein ist in großer Vielfalt im Handel. Wesersandstein ist ein Hartsandstein und nach Angaben des Herstellers 225 Millionen Jahre alt. Auch am Main kommt roter Sandstein vor: Dietenhahner Sandstein wird als feinkörnig, äußerst gleichmäßig und frostbeständig beschrieben. Joachim Lorenz (Karlstadt am Main) betreibt übrigens eine sehr umfangreiche, ausgesprochen informative Website zu Buntsandstein. Er berichtet unter anderem, im Spessart werde Sandstein mindestens seit römischer Zeit “zur Werksteingewinnung abgebaut“. Im 19. und anfangs des 20. Jahrhunderts seien nahezu alle öffentlichen Bauwerke aus Sandstein errichtet worden. Der Sand des Buntsandsteins habe außerdem als Rohstoff für die Glasgewinnung genutzt. Buntsandstein sei als Begriff im Spessart kaum gerechtfertigt, dort kämen fast nur roter und gelber Sandstein vor.
Auch aus anderen Ländern ist roter Sandstein auf dem Markt. Zu nennen ist etwa Agra Red, der aus Indien kommt und sowohl für Räume als auch Außenflächen geeignet ist,. Einen Touch ins Braune kann Modak haben, der ebenfalls aus Indien kommt. Roter und gelber Sandstein macht den Reiz von Mint Color aus, der sich gut für Terrassen eignet und in trockenen Sommern hell, in regenreichen Jahreszeiten von kräftigerer Farbe ist. Sehr hell wirkt der indische Dholpur, ebenfalls ein Sandstein - ähnlich ist der Eichenbühl, der aus Deutschland kommt.
Immer wieder aufgeworfen wird die Frage, wie resistent roter Sandstein gegen Umwelteinflüsse ist. Anlass sind Berichte über erhebliche Schäden an historischen, aus Sandstein aufgeführten Bauwerken. Das Thema ist komplex: In jedem einzelnen Fall muss genau geprüft werden, um welchen Sandstein es sich handelt und wie er verarbeitet ist. Pauschal verkürzend kann dies gesagt werden: Je härter der Sandstein ist, um so unempfindlicher ist er gegen Umwelteinflüsse. Sehr aufpassen sollte man bei der Anwendung von Hochdruckreinigern: Sie können unter bestimmten Umständen mehr Schaden anrichten, als Nutzen schaffen. Vereinzelt hat man in den vergangenen Jahren versucht, bei historischen Gebäuden auf Sandstein auszuweichen, der härter ist als der ursprüngliche Baustoff.
Nicht zuletzt gilt auch eine Binsenweistheit: Roter Sandstein ist ein natürlicher Baustoff. Er wird sich, wie alle “lebendigen Wesen”, im Lauf der Zeit fast zwangsläufig verändern. Wichtig ist, beim Verlegen darauf zu achten, dass kein Wasserstau entstehen. Sandstein, der vor allem im Schatten liegt, kann vermoosen.
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