Peacock-Schiefer: Bunt, schön und außergewöhnlich
Natursteine, sagt Geologe Franz Tessensohn, hätten manchmal Phantasienamen. Der Fachmann liegt zwar richtig, aber sein Bonmot trifft auf Peacock-Schiefer eher weniger zu. Schließlich ist der Pfau (englisch: Peacock) eine Art indischer Nationalvogel. In seiner Heimat ist er geschützt und weit verbreitet, wie sich schnell herausfinden lässt. Tessensohns Kollege Heinz-Günter Stosch meint: “Ich kann nur vermuten, dass jenen Inder sein Gestein an die Farben eines Pfaues erinnerte, weil es so bunt ist.” Jeder Steinbruchbesitzer könne sein Material ja unter einem Namen seines Geschmacks unter die Leute bringen.
Ganz so schillernd, um nicht zu sagen: eitel, wie der indische Vogel kommt der Schiefer gleichen Namens nicht daher. Bunt ist er aber schon, auf den ersten Blick sogar ein wenig verwirrend in seiner Vielfarbigkeit. Die aber ist es, die Käufer von Pecock-Schiefer nicht nur überzeugt, sondern letztlich sogar in Begeisterung versetzt. Einen einfarbigen Boden kann sich schließlich jeder in sein Zimmer legen.
Peacock Schiefer ist auch sonst kein gewöhnliches Material. Im Gegensatz zu härteren Gesteinen wirkt seine Oberfläche weniger eben, fast rau. Auch das Verlegen von Peacock Schiefer bedarf gewissen Geschicks, weil die Fliesen keine exakt gerade Unterseite haben und viel mit Mittelbettmörtel gearbeitet werden muss. Mit Geduld und Sorgfalt lässt sich eine solche Arbeit aber sehr gut bewältigen. Eine weitere Besonderheit ist, dass Peacock Schiefer auch nach dem Verlegen weiterlebt. Wer beim Bauen Sand oder Schmutz in die Wohnung trägt, wird feststellen, dass das zu Kratzspuren im Schiefer führen kann - diese laufen sich aber mit der Zeit wieder aus dem Material heraus. Peacock Schiefer kennt auch kleinere Abplatzungen - sie sind völlig normal und gehören zum “Wesen” des Steins mit dem Vogelnamen.
Einen Fußboden mit Peacock-Schiefer zu gestalten, ist nicht so ungewöhnlich, wie es sich im ersten Moment anhören mag. Umfragen ergeben derzeit einen klar erkennbaren Trend hin zu natürlichen Materialien - die Zeiten von Laminat und Linoleum, die mit eintönig weißen Raufasertapeten kombiniert werden, scheinen vorbei zu sein. Dabei kann durchaus auch die Frage eine Rolle spielen, ob Schiefer mit dem hübschen Beinamen Peacock recycelbar ist. Die Antwort kann nur “ja” heißen: Natursteine sind einfach wieder zu verwerten und werden zum Beispiel zur Rekultivierung von Steinbrüchen eingesetzt.
Die Farbigkeit des Peacock-Schiefers lässt sich übrigens erklären: Sie hat, bis auf wenige Ausnahmen, immer mit Eisen zu tun. Mal ist das Metall in oxydierter Form, mal in nicht oxydierter Gestalt dafür verantwortlich, dass Peacock rot oder grün schimmert. Gelbe Farben hängen mit verwittertem Eisen zusammen. Dass es Blauschiefer und Grünschiefer (bei dem Chlorit im Spiel ist) gibt, wundert einen angesichts der Vielfalt von Natursteinen kaum noch. Auch für violette Farbe hat Fachmann Tessensohn eine Erklärung: sie lasse den Schluss auf Hämatit (Eisen, wenig Wasser) zu - vulkanische Entstehung wird ebenfalls genannt.
Peacock Schiefer findet sich übrigens tatsächlich nicht unbedingt in geologischen Fachbüchern - dort ist von Tonschiefern die Rede.
Bliebe zuletzt noch eine Bemerkung zur Frostbeständigkeit zu machen: Es gibt zwar auch Erfahrungen, dass ein Verlegen auf der Terrasse schadlos überstanden wird - aber keine Garantie. Wer frostbeständigen Schiefer verlegen will, sollte auf andere Sorten, etwa nach Porto-Schiefer oder Material aus Skandinavien suchen - auch einige Schiefer aus Deutschland gelten als frostbeständig.
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