Obernkirchner Sandstein: haltbar wie ein Mercedes

Das Ballinghaus in Hamburg, mit seiner Fassade aus Oberkirchner Sandstein

Das Ballinghaus in Hamburg, mit seiner Fassade aus Oberkirchner Sandstein

Die Liste der berühmten Gebäude ist lang. Die Fraunhofer-Baufachinformation nennt Dom, Rathaus, und Haus Löwen in Aachen, die Postdirektion in Erlangen. Michaeliskirche, Post, Hapag-Direktion und Deutsche Bank in Hamburg sind ebenfalls aus Obernkirchner Sandstein entstanden bzw. damit verkleidet worden. Genauso der Dom und die Andreaskirche in Hildesheim, die Zitadelle in Jülich, gleich mehrere wichtige Bauten in Kopenhagen (Alte Börse, Schloss Rosenborg, Amalienborg), der Lübecker und der Mindener Dom, die Dominikanerkirche in Münster - überall wurde Obernkirchner Sandstein eingesetzt. Im Handel wird er übrigens ab und zu einfach Obernkirchner (Weiß) genannt, populär ist auch, ihn einfach Bremer Stein oder nach seinem Herkunftsort Bückeberger Stein zu nennen.

Wenigstens erwähnt werden soll, dass Wissenschaftler im Jahr 2008 im Bückeberger Steinbruch Saurierspuren gefunden haben, die als Sensation galten. Vor 140 Millionen Jahren, wird auf der Seite des Herstellers berichtet, sei eine Sturmflut über die damalige Lagune hereingebrochen. Saurierspuren - sowohl von Pflanzenfressern als auch von Raubsauriern - seien von großen Mengen feinsten Sandes überspült und so konserviert worden. Drei Arten der Riesentiere wurden identifiziert: Allosaurier, Raptoren und Schelklauendinosaurier.

Experten haben übrigens festgestellt, dass Obernkirchner seit dem 15. Jahrhundert abgebaut wird. Der erste Nachweis stamme von 1485, seit dem 16. Jahrhundert seien Lieferungen von Obernkirchner Sandstein in fernere Gebiete nachgewiesen.
Heute gibt es Obernkirchner in vielen verschiedenen Oberflächen. Der Hersteller unterscheidet Maschinenbearbeitung:

  • Diamant-geschliffen,
  • gestockt,
  • fein gesandstrahlt,
  • grob gesandstrahlt,
  • scharriert

und handbearbeitete

  • strich-scharriert,
  • ,,Dänisch" scharriert,
  • gekrönelt,
  • Bahnen gespitzt,
  • wild gespitzt

Sandsteine. Ebenso gibt es Obernkirchner Sandstein in naturbelassener Gestalt.

Obernkirchner eignet sich natürlich für Böden und Terrassen - und das wegen seiner Härte sogar in besonderer Weise. Es gibt aber noch ein weiteres, sehr spezielles Einsatzgebiet: historische Bauwerke. Am Kölner Dom wird das Material nach Angaben des früheren Dombaumeisters Arnold Wolff seit 1845 eingesetzt. Nachdem es möglich geworden sei, Bremer Stein mit der Eisenbahn zu transportieren, sei er in jährlich wachsenden Mengen eingesetzt und für den Bau der Türme verwendet worden. Der Stein sei nach über 100 Jahren praktisch unversehrt, wenn auch teilweise schwarz geworden (dies ist typisch für das Material).

Die Dombauhütte verwende seit 1986 Obernkirchner Sandstein wieder, wenn einzelne Steine  oder größere Partien zu ersetzen seien, die ursprünglich aus Obernkirchner gebaut wurden.

Auch das Hannoveraner Opernhaus ist mit Bremer Stein restauriert worden (1983-86), wie die Fraunhofer-Gesellschaft IRB erläutert. Dort sei das originale Material (Deister und Nesselberger Sandstein) nicht mehr zur Verfügung gestanden. Die Verwitterungsbeständigkeit des Bremer Steins soll sogar höher als die des ursprünglich verwandten Materials sein. Auch in Bremen wirkt der Stein prägend: Nicht nur das Haus der Kaufmannschaft (begonnen 1537, vielfach umgebaut) ist damit ausgeführt, zahlreiche weitere Gebäude sind damit errichtet (auch ein neueres Kino).

Dass der Stein aus den Bückebergen für Zwecke eingesetzt wird, die Beständigkeit verlangen, ist kein Wunder - verfügt Obernkirchner doch über sehr gut Frost- und Witterungsbeständigkeit. Zu 95 Prozent ist Obernkirchner Sandstein reiner Quarzsandstein, je nach Abbau, so eine Quelle der Bremer Uni, sei er weißlich bis goldgelb oder grau. Die feinkörnige Struktur erlaube eine gute Bearbeitung durch Steinmetz und Bildhauer.


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