Naturstein Marmor: Edel und teilweise frostempfindlich
Marmor ist ein sehr edler Naturstein. Wer den Stein anfasst, fühlt Kühle, er wirkt unzerstörbar und attraktiv. Schlösser, ja Paläste möchten einem einfallen, vielleicht gar berühmte Skulpturen. Doch wie reagiert der Naturstein auf tagtägliche Beanspruchung?
Harald Liebscher, der marmordoktor.de aus Hilden, gibt differenziert Auskunft. Spätestens nach vier bis sechs Jahren, sagt er, würde Marmor so genannte “Laufstraßen” - also sichtbare Spuren täglicher Wege - bekommen. Das sei allerdings abhängig von der Pflege: Gute und häufige Behandlung mit den richtigen Pflegemitteln würden acht bis zehn Jahre ohne Aufarbeitung bedeuten. “Im Moment sind geschliffene, getrommelte, gebürstete Oberflächen im Trend. Hier wird der Verbraucher längere Zeit keine Laufstraße sehen, da der Unterschied zwischen Hochglanz und matt nicht mehr ins Auge fällt“.
Der Marmorfachmann wird nach eigenen Angaben häufig gerufen, um Böden zu behandeln, die nach ein bis zwei Jahren schon “stark aufgelaufen sind“. Das seien aber nicht nur Marmor-, sondern auch Granitböden. Liebscher sagt, das Problem seien die spät fertigwerdenden Wege zu den neu gebauten Häusern; da werde “alles, was so auf der Baustelle herumliegt“, ins Haus getragen. Dadurch sei eine “extrem hohe Abnutzung gegeben” - sind die Wege im Freien fertig, könne aber mit den ursprünglich genannten Zeiten gerechnet werden.
Liebscher erläutert, eine staubfreie Marmorglanzsanierung sei ähnlich wie bei Parkettboden “alle paar Jahre” notwendig. Man habe allerdings auch die Möglichkeit, nur die Laufstraßen zu beseitigen “und muss nicht immer gleich den ganzen Boden bearbeiten, wie es sehr häufig bei Parkett der Fall ist“. Bei dem erwähnten Verfahren werde nur “sehr geringfügig Material abgenommen“, so dass eine Naturstein-Fliese von zehn Millimeter Dicke sicher sieben bis acht Mal geschliffen werden könne.
Wichtig ist Liebschers Empfehlung, seinen Marmor-Boden zweimal täglich trocken zu reinigen. Damit habe man zwei bis drei Jahre länger etwas von seinem Glanz. Liebscher warnt auch davor, falsche - also zu scharfe - Pflegemittel einzusetzen, auch dieses sei häufig eine Ursache für den Glanzverlust in kurzer Zeit.
Frostempfindlichkeit, ebenfalls ein wichtiges Kriterium für die Alltagstauglichkeit von Natursteinen, ist nach Angaben des Pflegefachmanns abhängig von der Verlegung und der Frage, wie der Naturstein geschützt wurde. “Bei einer Imprägnierung bis zur Sättigung des Materials” gebe es kaum Probleme - das gelte sowohl für Granit als auch Naturstein. “Frostschäden entstehen meist nur, wenn der Naturstein Feuchtigkeit aufnehmen kann“, sagt der Pflegeexperte. “Bei einer ausreichenden Sättigung ist dies nicht mehr gegeben und Frostschäden können so vermieden werden“.
Aber was ist Marmor eigentlich? Den Standardwerken der Fachliteratur - etwa: ,,Die Entwicklungsgeschichte der Erde" - ist zu entnehmen, Marmor sei durch Umwandlung (griechisch: Metamorphose) aus dichtem Kalkstein entstanden. Entscheidend ist nach Angaben von Robert Knobel aus dem Produktionstechnischen Zentrum der Leibniz-Universität Hannover die Härte und Dichte des Gesteins. Chemisch sei der Naturstein Marmor dasselbe wie Kalkstein, sagt der Wissenschaftler, aber Marmor habe eine andere Kristallstruktur. Als Bestandteile des Gesteins werden verschiedene Minerale, unter anderem Calcit und Dolomit, genannt (Friedrich Müller, Gesteinskunde). Das aus dem Griechischen stammende Wort Marmor bedeutet ,,glänzend". Marmor ist also wesentlich härter als Kalkstein und beständiger gegen Verwitterung. Ab und zu würden dekorative und polierfähige Kalksteine als Marmor bezeichnet, ist bei Friedrich Müller zu lesen. Auch einige andere Gesteine, die nicht einmal Kalk enthielten, trügen zuweilen diesen Namen. Genau hinsehen ist also angesagt. Auf dem Onlineportal planet-wissen.de war zu lesen, Marmor werde seit über 2.000 Jahren mühsam aus dem Felsen geschnitten. Er sei in Italien, Frankreich, Belgien, Deutschland, Griechenland, Spanien, Portugal, der Türkei, dem Iran, Indien und China zu finden.
Was sind, außer der erwähnten Kristallstruktur, weitere Merkmale von Marmor? Im Gegensatz zu Kalkstein gibt es laut Friedrich Müller keine Fossilien mehr im Gestein - also keine Reste von Tierskeletten, die ja häufig die Grundlage von Kalksteinen sind. Marmor gilt als gut bearbeitbar, Friedrich Müller empfiehlt allerdings, über die Anwendung außen von Fall zu Fall nachzudenken, auch Marmor-Grabmale hält er für problematisch. Schon das Im Internet frei einsehbare Meyer'sche Konversationslexikon von 1903 zählt eine unübersichtlich lange Liste von Marmoren auf. Jacques Dubarry de Lassalle bildet in seinem bemerkenswerten Fachbuch über Marmor allein 162 verschiedene Marmorsorten ab.
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