Allgemeine Fragen zu Naturstein II
Welche Gesteine werden zu Naturstein verarbeitet?
Natursteine können aus allen bekannten Gesteinen hergestellt werden. Abhängig vom verwendeten Gestein verfügen Natursteine über eine große farbliche Bandbreite und haben unterschiedliche technische Eigenschaften. Auch hängen die möglichen Bearbeitungsmethoden der Natursteine vom den verwendeten Gesteinen ab. Je nach Naturstein und Art der Oberflächenbearbeitung fühlen sich Oberflächen in einer bestimmten Weise an. Die Oberflächen können rau oder glatt erscheinen, sich warm oder auch kalt anfühlen.
Nachfolgend findet sich eine Kurzübersicht über alle bekannten Gesteine. Ausführliche Informationen zu bestimmten Gesteinen finden sie in den jeweiligen Fachbeitrag.
Sehr verbreitet sind Natursteinprodukte aus Granit, Sandstein, Kalkstein und Schiefer:
Granit ist ein sehr hartes und robustes Gestein. Das Gestein nimmt kaum Wasser auf und ist frost- und tausalzbeständig. Granitoberflächen können auf vielfältige Weise bearbeitet werden (poliert, geflammt, gestockt) und sind auch bei großer Nässe rutschfest. In der Regel ist Granit hell- bis dunkelgrau, kann aber auch rote und braune Farben aufweisen.
Die meisten Sandsteine sind ebenfalls hart und abriebsfest; es gibt aber auch Ausnahmen. Sandsteine sind fast immer frostbeständig. Das Gestein lässt sich sehr gut spalten, kann aber nur sehr selten poliert werden. Die Farben von Sandstein liegen vornehmlich im roten und braunen Bereich, bisweilen sind sie auch weißlich gelb oder grünlich. Durch die Erdfarben und durch eine natürlich raue Oberflächenbearbeitung vermitteln Sandsteine das Gefühl eines warmen Steins.
Kalkstein gehört zu den weicheren Gesteinen und hat eine geringe Abriebsfestigkeit. Sehr empfindlich reagiert Kalkstein auf Säuren; der Stein kann dadurch leicht angelöst werden. Ähnlich wie Sandstein lässt sich Kalkstein sehr gut spalten, aber nur schlecht polieren. Kalksteine kommen in sehr viele Farben vor, überwiegend in hell, grau bis graugelb. Die Ausstrahlung von Kalkstein ist ähnlich warm wie die von Sandstein.
Schiefer ist ein sehr weiches Gestein, das aber dennoch abriebsfest ist. Das Gestein ist frostresistent und nimmt kaum Wasser oder Schmutz auf. Meist lässt man Schiefer natürlich gespalten, er kann aber auch weiterbearbeitet werden. Schiefer ist in der Regel dunkelgrau bis schwarz und hat bisweilen grünliche und rötliche Farbstiche. Vom Oberflächengefühl liegt Schiefer zwischen den kühlen Hartgesteinen und dem warmen Sandstein.
Edle Natursteine werden aus Basalt, Quarzit und Travertin hergestellt. Diese Gesteine haben nicht nur spezielle Eigenschaften, man findet sie auch deutlich seltener in der Natur.
Basalt gehört zu den härtesten Gesteinen. Er ist sehr abriebsfest und frostbeständig. Basalt kann wegen seiner Härte nur maschinell bearbeitet werden, dennoch lassen sich die Oberflächen des Gesteins mit nahezu allen Methoden der Oberflächenbearbeitung veredeln. Das Gestein ist sehr dicht und fühlt sich wie Granit kühl an. Farblich dominieren bei Basalt dunkelgraue bis schwarze Farben.
Quarzit ist das härteste im Natursteinhandel erhältliche Gestein. Es ist sehr abriebsfest und unempfindlich gegen Frost und Schmutz. Auf Grund seiner Härte kann Quarzit nur gesägt und nicht gespalten werden. Auch die Weiterverarbeitung erfolgt maschinell. Quarzit ist gewöhnlich weiß bis grau, kann aber auch rötlich, gelblich und sogar Blau sein. Die Oberfläche von Quarzit fühlt sich wie bei anderen Hartgesteinen relativ kühl an.
Travertin gehört zu den Kalkgesteinen und hat deswegen ähnliche Eigenschaften wie Kalkstein. Anders als Kalkstein verfügt Travertin über eine ausgeprägte Porosität, welche sich aber nicht nachteilig auf die Frostbeständigkeit auswirkt. Auch ist Travertin im Gegensatz zu Kalkstein nicht spaltbar. Die Farben von Travertin sind hell gelb bis braun. Von der Ausstrahlung ist Travertin ähnlich warm wie Kalkstein. Durch spezielle Bearbeitungen bekommt Travertin ein rustikales, antikes Erscheinungsbild.
Gneis ist von den Farben und von den technischen Eigenschaften vergleichbar mit Granit, kann aber anders als Granit auch gespalten werden. Gneis ist ebenfalls sehr hart, abriebsfest und frostbeständig. Farblich dominieren wie bei Granit Grautöne, aber auch rötliche und bräunliche Farben treten auf. Wie Granit fühlt sich Gneis kühl an beim Anfassen. Auf Grund der großen Ähnlichkeit wird Gneis gerne als Granitersatz eingesetzt.
Wie werden Natursteine bearbeiten?
Die Erstbearbeitung der Natursteine erfolgt beim Abbau des Gesteins im Steinbruch. Je nach Gestein werden große Blöcke aus dem anstehenden Gestein herausgesägt oder vorsichtig herausgesprengt. Die großen Blöcke werden zur Weiterverarbeitung in ein Werk gebracht und dort in kleinere Einheiten zersägt oder, falls das Gestein spaltbar ist, auch gespalten. Anschließend werden nach Kundenwunsch die endgültigen Abmaße angefertigt, wieder durch Spalten oder mittels Sägen. Die auf Maß gefertigten Produkte werden dann noch bei Bedarf durch eine Oberflächenbearbeitung veredelt. Je nach Gestein gibt es mehrere Möglichkeiten der Oberflächenveredelung. Sehr beliebt sind gespaltene, geflammte und gestockte Oberflächen. Hartgesteine wie Granit, Basalt und Quarzit können geflammt und gestockt werden, aber nicht gespalten. Weichere Gesteine wie Sandstein und Kalkstein werden hingegen gerne naturnah (spaltrau) verlegt, sie lassen sich aber nicht flammen oder stocken.
Die einfachste Veredelung für Oberflächen ist das Spalten. Spaltfähige Natursteine werden dabei entlang ihrer Spaltrichtung auf Dicke gespalten und anschließend auf Abmaße geschnitten. Es entstehen unebene bis wellige Oberflächen.
Glatte Oberflächen erhält man, wenn die gesägten Flächen geschliffen oder poliert werden. Die Oberflächen werden mit unterschiedlich feinkörnigen Schleifpasten geglättet, bis die gewünschte Veredelung erreicht ist. Je feiner die Schleifpaste ist, desto glatter wird die Oberfläche. Polierte Oberflächen erzeugen sehr farbintensive Flächen, die aber andererseits auch sehr stark spiegeln. Vor allem in lichtstarken Umgebungen müssen diese Effekte mit eingeplant werden.
Beim Stocken werden gesägte Oberflächen mit Meißeln maschinell oder per Hand bearbeitet. Durch die Bearbeitung platzen Teile des Gesteins ab und es entsteht eine sehr raue Oberfläche. Dieser Prozess kann sehr grob ausfallen oder auch sehr fein ausgeführt werden (Feinstocken).
Sehr spitze und raue Oberflächen entstehen durch Flammen. Beim Flammen wird die Oberfläche mit einer sehr heißen Flamme bestrahlt. Dabei platzen einzelne Mineralkörner ab, während andere Körner auf der Oberfläche bleiben; es entsteht eine Berg und Tal Landschaft. Geflammte Oberflächen können nachträglich noch gebürstet werden. Beim Bürsten werden die Spitzen der Mineralkörner abgerundet, so dass eine weniger spitze Oberfläche entsteht, die aber dennoch sehr rutschsicher bleibt.
Eine spezielle Bearbeitungsart ist das Trommeln. Diese Bearbeitungsart wird nur bei Platten und Fliesen angewendet. Die gesägten Platten und Fliesen werden zusammen mit kleinen Steinen in große Trommeln oder Rüttelautomaten gelegt. Durch Schüttelbewegungen schlagen die kleinen Steine Ecken aus den Flächen und den Kanten der Platten heraus. Das Ergebnis ist ein ,,antik" aussehender Stein. Diese Bearbeitung wird vorwiegend bei Travertin, Kalkstein und Quarzit eingesetzt.
Bei der Auswahl der Veredlungsmethode muss man darauf achtet, dass sich durch die Aufrauung der Oberfläche der Farbeindruck des Natursteins ändern kann. Meist geht eine Verringerung der Farbintensität mit der Aufrauung der Oberfläche einher; glättere Oberflächen haben intensivere Farben.
Sehr wichtig für das Erscheinungsbild der Natursteine ist auch die Kantenbearbeitung, besonders bei Fliesen und Platten kurzum bei allen Bodenplatten. Von der Kantenbearbeitung hängt ab, ob eine verlegte Fläche eben ist oder ob die Fläche ,,Täler" aufweist. Bodenplatten mit gesägten Kanten empfehlen sich, wenn die Fläche eine gerade Oberfläche erhalten soll. Gesägte Bodenplatten können exakt aneinander gelegt werden mit nur minimaler Fugenbreite.
Sollen die Kanten ein natürlich raues Aussehen erhalten, bieten sich handbekantete Bodenplatten an. Bei dieser Bearbeitungsmethoden fallen die Fugen auf Grund der unregelmäßigen Kanten um einiges größer aus. Eine Zwischenstufe in Sachen Fugenbreite sind Bodenplatten mit getrommelten und gemeißelten Kanten. Diese können ähnlich eng verlegt werden wie gesägte Bodenplatten, aber durch die Kantenbearbeitung verbreitern sich die Fugen zum Top der Bodenplatten.
Bei Treppen, Arbeitsplatten u.ä. Einzelstücken ist die Kantenbearbeitung aus einem anderen Grund entscheidend; scharfe Kanten bergen ein höheres Verletzungsrisiko als runde Kanten. Deshalb werden diese Produkte meistens mit abgerundeten und gefasten Kanten angefertigt.
Ein wichtiger Punkt bei Bodenplatten ist die Frage nach der Kalibrierung. Kalibrierung bedeutet, dass alle Platten oder Fliesen dieselben Abmessungen aufweisen und es nur eine sehr geringe Toleranz für Abweichung von der Normgröße gibt. Dies ist entscheidend bei der Verlegung im Dünnbettverfahren und bei großen, zusammenhängenden Flächen. Bei nicht kalibrierten Bodenplatten kann es leicht zu unterschiedlich großen Fugen kommen und dazu, dass Bodenplatten aus der Fläche herausragen und Stolperkanten darstellen. Da die Kalibrierung eine weitere Qualitätssicherung erforderlich macht, sind die Preise für diese Produkte in der Regel höher als bei nicht kalibrierten Bodenplatten.
Welche Alternativen gibt es zu Naturstein?
Je nach Einsatzzweck kann man statt Naturstein auch Holz, Keramikprodukte oder auch Beton verbauen. Jedes dieser Produkte hat bestimmte Vor- und Nachteile gegenüber Naturstein. Der wesentliche Vorteil der Alternativen liegt im Preis, im Schnitt sind alle etwas günstiger als Naturstein.
Wenn Gewicht eine entscheidende Rolle spielt, ist Holz die einzig mögliche Alternative. Gegen Holz spricht seine Weichheit und dass Holz im Außenbereich eine deutlich kürzere Haltbarkeit hat. Keramik und Beton sind ähnlich robust und hart wie Naturstein, aber sie haben ein stumpfes, künstliches Aussehen. Natursteine und Holz hingegen überzeugen durch ihre unregelmäßigen, natürlichen Oberflächen, die beim Betrachter wohltuend, harmonische Empfindungen auslösen können.
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