Carrara Marmor: Michaelangelos Stein der Wahl

Dieser kleine Friedhofsengel aus Südbaden ist aus Marmor.

Dieser kleine Friedhofsengel aus Südbaden ist aus Marmor.

Carrara Marmor ist gewiss ein Inbegriff für besonders edlen, wertvollen Marmor. Viele assoziieren mit dem Naturstein, dessen Name aus dem Griechischen kommt, Paläste und Schlösser und eine gewisse Kühle.

Der Begriff Carrara bezieht sich auf die Stadt gleichen Namens in einem Tal der Apuanischen Alpen östlich von La Spezia. Und wer im Internet recherchiert, findet sehr schnell eine Fülle von Informationen über das “weiße Gold“, wie findige Händler den Carrara Marmor einmal genannt haben. Heute gehört es für Touristikunternehmen zum guten Ton, auf ihren Websites Informationen zu den über 400 Marmorbrüchen zu liefern - Natursteingewinnung ist ein Faktor für Touristik geworden. Die wichtigste Information: Wer sich bei laufendem Betrieb dorthin wagt, muss besonders aufpassen, nicht in Konflikt mit den Lastwagen zu geraten, die die aus dem Berg gewonnenen Blöcke talwärts fahren.

Carrara Marmor wird nordöstlich von Carrara in den Tälern von Ravaccione, Colonata und Fantiscritti gewonnen. Das kostbarste Material, “marmor stattuario” genannt, stammt aus Piastre. Die Carrara-Steinbrüche sollen vor 2000 Jahren entdeckt worden sein. Auch Michelangelo bekam die Blöcke für seine weltberühmten Plastiken von hier; sein “Bianco di Carrara” gilt als der echte Marmor von Carrara. Die Abbaugeschichte des Carrara Marmor ist ausgesprochen wechselvoll und lebhaft - so wurden die Marmorblöcke ursprünglich mit riesigen Schlitten, die auf eingeseiften Holzbahnen talwärts rutschten, transportiert.

Geht es um die Alltagstauglichkeit von Marmor, ist auch bei Carrara eins wichtig: Weil Marmor zu den Kalksteinen gehört, sollte man ihn vor allen Flüssigkeiten, die Säure enthalten, schützen. Das klingt dramatischer als es ist: Marmor ist bei normaler Sorgfalt nicht empfindlicher als andere Natursteine und hat den Vorteil, dass er von entsprechenden Spezialisten aufgearbeitet - sprich: neu geschliffen werden - kann. Das ist sogar mehrfach möglich.

Vielfach ist übrigens zu lesen, dass es für Carrara Marmor mehr als 50 verschiedene Handelsnamen gebe. Aus Carrara stammender Marmor muss nicht zwingend weiß sein. Es kommen auch dunkle Steine vor (Bardiglio Carrara), auch in rötlich-gelbliche Tönungen gehende Marmore (Biancospino) sind bekannt. Wunderschön ist der Bianco Carrara C Unito in seinem fast reinen Weiß. Calacatta Oro kommt ebenfalls aus Carrara. Klangvoll ist auch der Name Bianco Carrara Venatino. Die Farben der unterschiedlichen Marmorarten hängen von den Mineralen ab, die in den Marmoren enthalten sind. Genannt werden etwa Bianco Chiaro Ordinario, der Bianco Porcellano und der  Panazzo. Besonders schön klingt Fior di Pecsa (Pfirsichblüte), auch Verde Cipollino Apuano (Zwiebelmarmor) und Arancione Breccia Medicea.

Geologen zählen Marmor übrigens zu den Kalksteinen - genau wie auch Travertin. Vielfach gibt es Verwechslungen: Der so genannte Antikmarmor ist ein getrommelter Travertin, der durch die Behandlung künstlich gealtert wird. Der wichtigste Unterschied: Marmor ist härter, er hat kristalline Struktur (und kann deshalb auch immer wieder poliert und geschliffen werden).

Heute ist Carrara Marmor nicht mehr Kunstwerken oder Herrscherhäusern vorbehalten, sondern wird auch als Bodenplatte oder Fliese eingesetzt. Es ist ein gutes Gefühl, auf einem Stein zu wohnen, den die berühmtesten Künstler der Welt genutzt haben.


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