Basalt
Gräfin Cosel ist im Sächsischen eine ziemlich populäre Figur. Natürlich spricht kaum jemand im Freistaat den Namen der einstigen Kurfürst-Geliebten so aus, wie man ihn heute schreibt - um ,,die Gohsel" jedenfalls, die Maitresse von August dem Starken, gibt es eine Menge Geschichten. Fast 50 Jahre verbrachte die - höflich ausgedrückt - in Ungnade Gefallene auf Burg Stolpen; gefangen, verbannt. Das 357 Meter hoch auf einem Basaltfelsen liegende Anwesen hätte sie nach August' Tod zwar verlassen dürfen, aber sie blieb. Nicht nur die lange Gefangenschaft der Gräfin ist rekordverdächtig, auch die Tiefe des in den Basalt getriebenen Brunnens auf der Burg: 82 Meter soll er messen.
Kurt Goth vom Sächsischen Landesamt für Umwelt und Geologie weiß zu berichten, dass der Name des sächsischen Örtchens vom sorbischen Wort für Säule kommt. ,,Der ganze Basalt des Stolpener Burgbergs ist in schönen Säulen abgesondert", sagt Goth, auch die komplette Burg sei aus Basalt errichtet. Der Stolpener Basalt soll sogar das früheste erwähnte Gesteinsvorkommen seiner Art in Europa sein, wie es auf der Website der Burg heißt.
Mindestens die Arbeit am Brunnen dürfte nicht allzu einfach gewesen sein. Basalt ist nämlich, wie Geologin Monika Huch erläutert, widerstandsfähiger als Granit. Der zersplittere viel schneller als das aus Lava entstehende, sehr dichte Gestein, sagt die Geologin von der DGG, der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften.
Größte Besonderheit des aus Lava entstandenen Natursteins Basalt ist, dass er sich bis heute neu entwickeln kann. Überall dort, wo vulkanische Aktivität vorkommt, sind mögliche Quellen. Abgebaut wird solch ,,neuer" Stein laut Monika Huch heute etwa auf Hawaii. Kurt Goth ergänzt, entlang des Mittelozeanischen Rückens werde ,,viel Basalt gebildet", der aber unzugänglich sei.
Nicht nur die DGG-Fachfrau weist darauf hin, dass Basalt zu den Gesteinen gehört, die nur langsam verwittern - abgesehen von schnell zerfallenden, so genannten ,,Sonnenbrennern", die aber heute laut Kurt Goth nicht mehr abgebaut werden. Die Widerstandskraft macht den Naturstein Basalt als Baustoff für Zwecke geeignet, die lange Haltbarkeit erfordern - Schotter auf Bahnstrecken, Straßenuntergründe und Split im Wegebau. Pflasterarbeiten werden ebenfalls mit Basalt ausgeführt - da der Stein kaum Wasser aufnimmt, kann es allerdings manchmal glitschig werden. Auch im Garten- und Landschaftsbau wird der Naturstein Basalt eingesetzt. Gesteinswolle ist ebenfalls ein Produkt. Sogar speziellen Gießbasalt gibt es - das aufgeschmolzene Gestein findet Kurt Goth zufolge für ,,spezielle Bodenfliesen und Rohre für Laboreinrichtung" Verwendung.
Recherchiert man intensiver, sind auch sehr spezielle Verwendungsmöglichkeiten für diesen Naturstein zu finden. Es gibt einen Basalt, der als Ersatzbaustoff am Kölner Dom in die engere Wahl gezogen wurde. In ,,Spiegel der Forschung" berichtete Günther Strübel schon vor Jahren, der Basalt von Londorf (Lungstein) habe sich als besonders widerstandsfähig erwiesen. Er schien geeignet zu sein, schadhafte Teile des Doms zu ersetzen.
Natürlich gibt es weit mehr Einsatzmöglichkeiten für Basalt, als nur die Zerkleinerung und den Einbau als Schotter auf der Eisenbahn. Dort erfüllt der ,,Oberbau", also das Schotterbett, in dem die Schienen liegen, eine wichtige Funktion: Er gleicht nicht nur die Unebenheiten aus, sondern nimmt auch die teilweise erheblichen Kräfte auf, die entstehen, wenn Züge unterwegs sind. Dass hier schnell verwitternde Gesteine eher unpraktisch sind, liegt auf der Hand. Dunkler Basalt sieht übrigens auch in Wohnräumen und auf Terrassen ausgesprochen elegant aus.
Die Fachleute von der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften und dem Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler (BDG) haben den aus Lava entstehenden Naturstein zum ,,Gestein des Jahres 2009" gekürt. Diese Auszeichnung erhalten besonders häufig vorkommende Steine. Der Name, ist einem von Schülern aufgebauten Katalog mit Gesteinen zu entnehmen, stammt von der Landschaft Basan im Osten Palästinas.
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