Naturschiefer: was für die Hitliste

Auch dort, wo es mal feuchter wird, kann man Schiefer verwenden. Der sehr gut spaltbare Naturschiefer wird auch bei der Innenraumgestaltung immer beliebter.
Naturschiefer könnte was für die Hitliste sein. Wenn es so was gibt im Natursteinhandel. Nach Travertin nimmt der verdickte Ton - etwas anderes ist Naturschiefer nämlich nicht - den zweiten Platz auf der Liste der meistverkauften Natursteine ein. Kunden, die Naturschiefer kaufen, sprechen von einer bewussten Entscheidung oder sagen, sie könnten sich nicht an der Schönheit dieses Materials satt sehen.
Woran liegt das? Naturschiefer ist ein Stein für Individualisten. Jede Platte, jede Fliese sieht anders aus. Im Prinzip lassen sich zwei wichtige Gruppen unterscheiden:
- Dachschiefer wird nicht nur hierzulande, sondern in halb Europa verwendet. Er unterliegt sehr genauen, technischen Normen. Die stellen auch sicher, dass der Naturschiefer frostsicher ist. Dafür sind aufwändige Frost-Tauwechselversuche notwendig.
- Fliesen für den Innenraum müssen nicht frostsicher sein. Dieser Naturschiefer ist dünner als Platten, die im Freien verlegt werden. Es gibt Sorten, die nicht kalibriert, also auf eine gleichmäßige Dicke gesägt sind. Für ihre Verarbeitung ist etwas Erfahrung notwendig.
Naturschiefer in Plattenform dürfte seltener sein - wegen des Frostsicherheitsproblems.
Aber warum sieht Naturschiefer jedes Mal anders aus? Das hängt mit den speziellen Eigenheiten dieses Materials zusammen. Die Worterklärung hilft schon: Das Wort Schiefer wird bis heute in manchen Gegenden auch als Splitter verstanden. Die strukturbedingte, gute Spaltbarkeit des Naturschiefers lässt ihn nach dem Verlegen gleichsam weiterleben: Immer wieder können sich kleine Teilchen ablösen; es ziehen sich regelrecht Linien durch den Naturschiefer hindurch. Mit zu den Eigenschaften des Naturschiefers gehört seine Kratzempfindlichkeit - solche Alltagsspuren können sich aber wieder herauslaufen.
Die Fülle verschiedener Sorten an Naturschiefer kann man schon fast unübersichtlich nennen. Den Kenner überrascht Burgund-Schiefer (Brasilien): er sieht wirklich aus wie der Rotwein gleichen Namens. Schön ist auch Black Rustic, der seinem Namen, was die Farbe angeht, alle Ehre macht. Bunt, ja heiter, kommt der indische Peacock-Naturschiefer daher, er verdankt seine Bezeichnung einem der indischen Nationaltiere, dem Pfau. Peacock ist nur selten dunkel, hat dafür viele Schattierungen in Richtung gelber, roter und blauer Farbe. Dieser Naturschiefer passt ausgezeichnet zu modern eingerichteten Wohnräumen.
Naturschiefer gibt es übrigens durchaus auch aus Europa - Portoschiefer stammt, wie der Name andeutet, aus Portugal. Die Erfahrung zeigt, dass er frostsicher ist (eine Garantie ist das freilich nicht).
Erinnert sei in Bezug auf Naturschiefer übrigens auch daran, dass die Energiebilanz dieses Natursteins sehr gut ist. Er muss nur wenige Schritte der Bearbeitung über sich ergehen lassen - Naturschiefer wird im Grunde nur gespalten. Er ist, sollte man sich entschließen, ihn durch einen anderen Bodenbelag zu ersetzen, gut weiter zu verwenden: zum Beispiel als Gesteinsmehl für die Bodendüngung.
Naturschiefer, das soll nicht verschwiegen werden, scheidet auch die Geister – krasse Ablehnung auf der einen, Begeisterung auf der anderen Seite. Dazwischen kommt kaum etwas vor.
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