Ratschecker Schiefer: Über 200 Jahre Tradition
Wer sich im Internet auf die Suche nach den Ursprüngen des Schieferbergbaus in der Eifel - dem Ursprung des Rathschecker Schiefers - macht, wird schnell feststellen, dass die Wurzeln des Schieferbergwerks Katzenberg bis in die Spätantike zurückreichen. Urkundlich sei die Gewinnung am Katzenberg zum ersten Mal 1362 bzw. 1408 erwähnt worden, ist zu lesen. Ein bestehendes Bergwerk sollte damals weiter geführt werden. Seit 1870 wird Ratschecker Schiefer mit Hilfe von Maschinen dem Berg abgerungen. Das Katzenberg-Bergwerk erreicht eine Teufe (bergmännische Bezeichnung für Tiefe) von über 300 Metern. Der Rathschecker Schiefer wird im so genannten Rheinischen Abbauverfahren gewonnen, dem so genannten Firstkammerbau mit querschlägigen Verhieb. Schrittweise werden Scheiben von vier Metern Höhe aus dem Berg gesägt und gespalten. Ist ein Block gewonnen, wird nach oben vergrößert und der nächste Rathschecker Schiefer abgebaut.
Das Material wird bis zum eigentlichen Spalten stets feucht gehalten. Die Maschinen trennen den Schiefer auf 4-6 Millimeter Dicke, das Material wird von überflüssigen Gesteinsteilen befreit und nach Größe sortiert. Maßgeblich bei der Zurichtung, so ist zu lesen, ist der altdeutsche Deckstein - also feste, standardisierte Maße.
Folgt man der Darstellung der Website www.moselschieferstrasse.de, ist Rathschecker Schiefer der ,,mit Abstand größte" Produzent von Dach- und Wandschiefer in Mitteleuropa; beim Dach- und Wandschiefer sogar einer der Weltmarktführer. Der Name des Unternehmens geht auf Johann Baptist Rathscheck, einen Böhmen, zurück, der 1765 nach Mayen kam. Rathscheck stammte aus einer Unternehmerfamilie, die Bierbrauer, Basaltgruben- und Mühlenbesitzer hervorbrachte. Rathschecks Sohn habe sich in den bereits existierenden Stollenanlagen engagiert, die dann zu einem Tiefbau ausgebaut worden seien. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gehören die Rathschecker zu Wilh. Werhahn, einem Familienunternehmen. Wer sich mit der Vergangenheit des Rathschecker Schiefers intensiver auseinander setzen will, muss das Deutsche Schieferbergwerk in Mayen unter der Genovevaburg besuchen.
Woher weiß der Fachmann eigentlich, was der Rathschecker Schiefer taugt? Auf die Frage gibt eine Presseinfo des Unternehmens eine recht kuriose Antwort. Experten bissen, wenn sie Schiefer beurteilten, erst einmal kräftig hinein. Wenn das über 400 Millionen Jahre alte Gestein beim Zermahlen zwischen den Zähnen fein mehlig werde, habe der Schiefer beste Qualität und die damit gedeckten Dächer blieben ein Leben lang dicht. Knirsche es, enthalte das Gestein zu viel Quarz und sei damit als langfristige Dachdeckung weniger geeignet.
Rathschecker Schiefer sieht übrigens auch auf Häusern neueren Datums ausgesprochen attraktiv aus. Die Altdeutsche Deckung folgt einem besonderen Muster: Variierende Steinhöhen und -breiten führen zu einem harmonisch aussehenden, interessanten Bild. Für Traufen, Grate, Kehlen und Firste gibt es spezielle Muster, mit denen Rathschecker Schiefer gedeckt wird. Blättert man durch die Prospekte der Ratschecker, wird schnell deutlich, dass das Anthrazit des Rathschecker Schiefers gut mit allen möglichen Fassadenfarben und unverputzten Klinkern harmoniert. Neben dem gewohnten Anthrazit vertreiben die Rathschecker auch farbigen Schiefer, der Dächer und Fassaden noch zusätzlich auflockert. Es gibt sogar Fassaden, die durch Ornamente und Bilder lebendig gestaltet wirken. Interessant sieht auch eine Fassade aus, die mit dynamischen (also verschieden formatierten) Schiefer-Rechtecken verkleidet wurde. Die möglichen Variationen Rathschecker Schiefers sind unendlich - ganz ähnlich wie bei Natursteinböden auch.
Wichtig wäre noch zu bemerken, dass Rathschecker Schiefer eine ganz entscheidende Eigenschaft hat: Er wird seine Eigentümer überleben. 250 Jahre und mehr seien keine Seltenheit, heißt es in einem Prospekt aus dem Haus der Hersteller.
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