Naturstein im Garten: Durch Verwitterung erst schön

Garten mit Naturstein

Der Freiburger Stadtteil Vauban ist in den letzten Jahren komplett neu entstanden. Unser Bild zeigt einen kleinen Garten an einem der Häuser, der sehr schön zeigt, wie Naturstein richtig eingesetzt wird.

Naturstein im Garten? Der Einsatz, findet der Düsseldorfer Landschaftsarchitekt Till Gottschalk, sollte sich vor allem nach der Umgebung richten. Gottschalk lässt die Frage nach aktuellen Trends ganz bewusst unbeantwortet - nicht umsonst prüften Architekten, wenn sie sich mit einem Projekt befassten, welche Materialien eingesetzt würden und was für Baukörper sich in der Umgebung befänden. Der Landschaftsfachmann findet, dass ein Naturstein durch Verwitterung erst an Charakter gewinnt - im Gegensatz zu Beton. Welche Formate und Fugenfüllungen verwandt werden, muss man nach seinen Worten ohnehin im Einzelnen entscheiden. Gottschalk lässt durchblicken, dass es bei der Realisierung von Aufträgen durchaus nicht immer dazu kommt, dass der von ihm favorisierte Naturstein auch eingesetzt wird. Der von Baumärkten angebotene, ,,asiatische Billignaturstein"  müsse durchaus kritisch gesehen werden, er passe nicht immer.

Nach seinen eigenen Lieblingssteinen befragt, spricht der Landschaftsarchitekt von Grauwacke und Quarzit. Ersterer sei sein ,,sehr schönes Material" und  könne ,,preislich mithalten". Außerdem sei es ,,immer netter", Material aus der Region zu verwenden, es gebe in der Nähe noch viele Brüche, die Grauwacke mit unterschiedlicher Färbung anböten. Rötliche bis graue Töne passen schließlich gut in den Garten.

Doch Gottschalk schaut immer in die Umgebung: Er werde Quarzit nicht als Umrandung eines Pools aus Edelstahl verwenden; eine polierte Grauwacke-Platte passe nicht zu einer Gabionen-Wand. Handelsunternehmen könnten leicht auf Trends reagieren, sagt Gottschalk, sein Blickwinkel ist ein dezidiert anderer.

Naturstein im Garten lasse sich auch für Hangbefestigungen, als Stufen und als Wandverkleidung einsetzen. Man müsse die Materialien ,,im gesamten Kontext sehen", sagt Gottschalk. Natürlich gebe es Märkte, die quadratkilometerweise Granit verkauften, ,,aber passt Granit in den Garten?" Die beste Lösung, sagt Gottschalk, ,,ist wichtiger als jeder Trend". Gottschalk hält hörbar nichts davon, einen Naturstein, den man bei einem Bekannten gesehen hat, unbesehen zu kopieren und ebenfalls zu verwenden.

Gartenterrasse mit Sandstein-Platten "Mint Colour"

Gartenterrasse mit Sandstein-Platten "Mint Colour"

Wenn man sich umschaut, kann man durchaus Beispiele dafür finden, dass Gottschalk recht hat. Die Gartenterrasse eines Lehrerehepaares in Hochdorf (Riß) kann durchaus als ein Beispiel durchgehen. Mint Colour heißt der Sandstein, den die Eigentümer verlegt haben. Die Platten changieren leicht zwischen Rot und Gelb, der Naturstein passt wunderbar zu den dunklen Gartenmöbeln aus Rattan, die auf der Terrasse stehen. Ursprünglich, erzählen die Hausherren, gab es hier eine Terrasse aus Beton.

Fast noch perfekter ist das Ensemble, das in Schwarzach (unweit von Heidelberg) entstanden ist. Mundo-Grau heißt der Stein, der als Terrassen-Belag, für Stufen und eine Pflanzenbank verwendet wurde. Zusammen mit dem intensiven Grün des Rasens und dem Weiß der Bauhaus-orientierten Hausfassade ist ein Ensemble entstanden, das man schon fast als perfekt bezeichnen kann. Heller Naturstein hätte für diesen Zweck weit weniger gepasst, der dunkle Mundo Grau seinerseits wäre in Hochdorf eher deplaziert gewesen.

Im Kern ist Till Gottschalks Plädoyer eine Aufforderung zum genauen Hinsehen. Gemeint ist der Blick in den Garten, in die Natur - und einmal weniger in die Werbebeilage des Baumarkts.


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