Jura Kalkstein - wo einmal das Meer war

Kalkstein-Platten in der Musterschau München

Kalkstein ist ein sehr attraktiver Naturstein - mit dem Zunamen Jura kommt er aus der Region rund um Weißenburg (Bay.). Hier sind zwei Platten in der Münchner Musterschau zu sehen.

Der Naturstein Kalkstein ist das Gestein des Jahres 2010. Damit wollen die Erfinder dieses Titels die Popularität des Materials unterstreichen: Rechnet man zusammen, was jeder hierzulande an Kalkstein in seinem Leben theoretisch verbraucht, kommen leicht zwei große Lkw-Ladungen zusammen. Dieser Naturstein wird übrigens nicht nur importiert, sondern er kommt auch aus Deutschland: Jura-Kalkstein ist überaus populär. Wer schon einmal in der Gegend rund um Weißenburg (südlich von Nürnberg) Urlaub gemacht hat, wird sich sicher an das hübsche Altmühltal erinnern.

Vor 180 Millionen Jahren war davon in dieser Gegend nicht die Rede. Ein tropisches Meer erstreckte sich über ganz Süddeutschland. Es war, wie man in entsprechenden Fachbüchern nachlesen kann, die Verbindung zwischen dem Nord- und dem alpinen Mittelmeer. In einem die menschliche Vorstellungskraft sprengenden Zeitraum von 20 Millionen Jahren ist durch Ablagerungen in den Lagunen der Obere Jura (manchmal auch Weißjura oder Malm genannt) entstanden. In einem bestimmten, klimatisch bedingten Rhythmus wurden entweder Mergel oder Kalk aus dem Wasser ausgefällt. Auch Reste der damaligen Tier- und Pflanzenwelt kann man in diesem Naturstein finden. Die charakteristisch zwischen beidem abwechselnde Schicht war bis zu 500 Meter dick - wo Jura-Kalkstein abgebaut wird, sind es 250 bis 300 Meter. Der Solnhofner Kalkstein ist übrigens 30 Millionen Jahre jünger.

Chemiker werden schnell herausfinden, dass Jura aus kohlensaurem Kalzium besteht (Calciumcarbonat). Dazu finden sich Metalloxide und so genannte Farberden. Zwischen Kipfenberg, Eichstätt, Weißenburg und Treuchtlingen kommt Jura in einer Abbauhöhe von 25 Metern vor - die jeweils aus bis zu 30 Bänken zusammengesetzt, diese sind zwischen 25 Zentimetern und 1,60 Metern dick. In die Werksteinverarbeitung gelangen nach Herstellerangaben 20 Prozent, aus Restgesteinen und Abraum wird Schotter hergestellt oder in der Zementherstellung verwendet. Besonders ist das Vorkommen auf 22 Quadratkilometern bei ,,mehr oder weniger" gleichem Schichtverlauf, wie es bei einem der Hersteller heißt. Übrigens: Jura ist wegen seiner Dichte polierfähig und wird auch als Jura Marmor bezeichnet.

Spannend ist auch die Farbpalette, in der Jura-Kalkstein vorkommt:

  • gelb,
  • grau,
  • goldgelb,
  • rahmweiß,
  • gemischte Farben,
  • gegen das Lager geschnitten/gelb gebändert.

Als Besonderheit werden die Calcitadern beschrieben, die den Jura Kalkstein durchziehen. Geeignet ist Jura Kalkstein sowohl für den Innen- als auch den Außenbereich.

Ein Blick ins Lexikon zeigt übrigens, dass einer der Ausgangsstoffe des Kalksteins, das Calcium, in der Natur sehr häufig vorkommt. Es gebe über 700 Calciummineralien - Kalkstein, Kreide und Marmor, Dolomit (Calcium-Magnesium-Doppelcarbonat), Gips, Anhydrit (Calciumsulfat), Phosphorit und manche andere werden aufgeführt - als Element entdeckt wurde Calcium 1809.

Doch zurück zum Naturstein: Die unterschiedlichen Farben von Jura-Kalkstein schlagen sich in einer Fülle, teilweise recht phantasievoller Handelsnamen nieder. Ein paar Beispiele:

  • Jura Kalkstein Feuer: eine beige Sortierung mit intensiven, rotbraunen Partien, die auf Eisenoxid-Bestandteile zurückgehen.
  • Jura Kalkstein gelb geblümt: ebenfalls beige Farbsortierung.
  • Jura Kalkstein gemischtfarbig: graublau bis beige.
  • Jura Kalkstein Grau: eine ebenfalls graublaue Sortierung.
  • Jura Kalkstein Rahmweiß wird zu den hellsten Sortierungen gezählt.

Kalkstein ist aus wissenschaftlicher Sicht übrigens ein Oberbegriff, insgesamt werden fünf verschiedene Arten unterschieden - auch Travertin und Marmor gehören dazu. Eine Gemeinsamkeit haben diese Materialien: Man sollte sie nicht mit säurehaltigen Materialien in Verbindung bringen. Ausdrücklich empfohlen ist dagegen, auch Kalkstein zu imprägnieren: Dieser Prozess kann alle fünf Jahre wiederholt werden; die Reinigung wird erleichtert und die natürliche Optik des Natursteins nicht gestört.


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